Artikel: Personalien

Die Maskerade hat ein Ende

Geschrieben von: TG~! Erstellt am: 18.04.2009


Am vergangenenen Donnerstag feierte Christopher "Daniels" seine umjubelte TNA-Rückkehr, als er als Teil von Jeff Jarretts Lethal-Lockdown-Team vorgestellt wurde - Dabei war der 37-Jährige eigentlich nie weg. Nachdem er die Promotion im Kayfabe verlassen musste, steckte Total Nonstop Action Wrestling ihn lediglich in farbenfrohe Kostüme - zunächst das des Curry Man, dann das des Suicide. Doch auch wenn all das durchaus lustig war, so vermisste man doch „The Fallen Angel“ Christopher Daniels, wie er jahrelang ein unverzichtbarer Bestandteil der Promotion war.

Der vielseitige Amerikaner ist ein alter Hase im Wrestling-Business. Dabei war das Wrestling für ihn anfangs nur eine Art Plan B: „Ich wollte schauspielern, doch Teil der Theatherszene in Chicago zu werden entpuppte sich als härter, als ich erwartet hatte, weswegen ich es nebenbei auch mit Wrestling versuchte.“ 1993 debütierte er bei Windy City Pro Wrestling (WCPW), wo er frühe Erfolge verbuchen konnte: Etwa den WCPW Light Heavyweight Titel, den er bereits in seinem ersten Profi-Monat gewann, oder die WCPW Tag Team Titel, gehalten mit Trainer Kevin Quinn. „Ich wurde sehr schnell erfolgreich und plötzlich machte ich als Wrestler Karriere, obwohl ich das ursprünglich lediglich ab und an an Wochenenden betreiben wollte“, erzählt Daniels. Durch die lokale Promotion aus Chicago wurde Daniels auch in Puerto Rico gebookt und machte mit seinen dortigen Auftritten die damalige World Wrestling Federation (WWF) auf sich aufmerksam. Es blieb bei wenigen Auftritten in B-Shows, immerhin konnte Daniels aber später auf einen Kampf um den WWF Light Heavyweight Titel zurückblicken.

Der Abschied aus Stamford fiel dem umworbenen 26-Jährigen alles andere als schwer. Er ging nach Japan und trat dort erstmals als „Curry Man“ auf, während er in seinem Heimatland einen Titel nach dem anderen einheimste - so etwa den des „King of Indies“, welchen er sich in einem von All Pro Wrestling (APW) ausgetragenen Turnier erkämpfte. Und auch dem us-amerikanischen Mainstream-Wrestling sollte er nicht allzu lange fern bleiben: WWF-Konkurrent World Championship Wrestling (WCW) verpflichtete Daniels Anfang des Jahres 2000. Doch trotz großer Pläne für das Talent, blieb auch der dortige Durchbruch aus, scheitert an diversen Faktoren: Kevin Sullivan hatte Daniels verpflichtet, als dieser noch in Japan tourte. Bei seiner Rückkehr in die USA aber hatten mittlerweile Vince Russo und Eric Bischoff das Ruder an sich gerissen - zwei Personen, die Daniels weder kannten noch etwas mit ihm anzufangen wussten.

Statt den von Sullivan geplanten Storyline-Ideen sollte nun also eine von den Star-Wars-Filmen inspirierte Geschichte um den Neuling und Vampiro umgesetzt werden. Und in der Tat: Ein vermummter Daniels war in einigen Vignetten zu sehen, bis man das Szenario plötzlich abblasen ließ. „Ich weiß nicht genau, warum sich diese Pläne in Luft aufgelöst haben. Ich tat genau das, was ich tun sollte. Und als ich das nächste Mal erschien, teilten sie mir mit, dass sie es doch nicht machen würden“, berichtet Daniels neun Jahre danach. Einmal war Daniels im Jahr 2001 noch bei WCW zu sehen. Er bestritt ein Match gegen Michael Modest, in welchem ihm ein missglückter Springboard Moonsault eine Nackenverletzung bescherte. „Ich landete auf meinem Kopf und verlor das Gefühl in meinem Arm für knappe sechs Wochen“, schildert Daniels die Folgen des Aufpralls.

Während er seine Verletzung auskurierte, wurde WCW von Vince McMahon aufgekauft und Daniels kehrte zurück in die Independent-Szene. 2002 war er Teil der allerersten Show von Ring of Honor (ROH) und feierte als Curry Man in Japan erneut Erfolge, gewann zusammen mit Hayashi Rice das „Futaritabi Tag Team League Tournament“. Wenige Monate nach Gründung der Promotion debütierte Daniels auch bei NWA TNA. Er bildete dort fortan zusammen mit Low Ki und Elix Skipper die äußerst erfolgreiche Gruppierung Triple X. Daniels hielt mit Triple X insgesamt dreimal die NWA World Tag Team Titel, schnell entwickelte sich eine erbitterte Rivalität mit dem aus James Storm und Chris Harris bestehenden Tag Team America's Most Wanted. Am 25. Juni 2003 fand die Konfrontation im ersten Steel Cage Match der TNA-Geschichte ihren vorzeitigen Höhepunkt. Anderthalb Jahre später, Low Ki hatte das Stable mittlerweile verlassen, folgte ein weiteres Steel Cage Match zwischen diesen beiden Tag Teams. Bei Turning Point 2004, dem zweiten dreistündigen Pay-Per-View der TNA-Geschichte, lieferte man sich eine blutige Schlacht, die vor allem aufgrund Elix Skippers „Cagewalk“ bis heute unvergessen ist.

Die Stipulation des besagten Matches setzte voraus, dass sich das Verliererteam für immer auflösen müsse. Daniels und Skipper verloren und waren fortan auf sich alleine gestellt. Doch während Elix Skipper keine allzu große Rolle spielte, mischte der Fallen Angel die X Division gehörig auf. Bei iMPACT! ernannte er sich zum neuen „Mr. TNA“ und provozierte damit bewusst den amtierenden X Division Champion AJ Styles, den er zu einem Titelkampf herausforderte. Bei Against All Odds 2005 trafen die beiden in einem 30-minütigen Iron Man Match aufeinander, das Styles noch für sich entscheiden konnte. Im Folgemonat bei Destination X setzte sich der Fallen Angel dann aber gegen Ron „The Truth“ Killings, Elix Skipper und schließlich auch AJ Styles in einem Ultimate X Match durch und konnte sich erstmals „X Division Champion“ nennen. Er hielt das Gold über 150 Tage, so lange wie kein anderer vor ihm.

Nachdem Daniels seinen Titel bei Unbreakable 2005 an AJ Styles verloren hatte, nahm die Rivalität zwischen den beiden eine überraschende Kehrtwende. Daniels und Styles bildeten beim Neujahrspecial von iMPACT! ein Tag Team und fanden wenige Monate später endgültig zusammen. Nach über einem Jahr machte „God's Gift to Pro Wrestling“, wie sich Daniels einst selbst taufte, nun also wieder Jagd auf die NWA World Tag Team Titel und damit auf America's Most Wanted. Bei Slammiversary 2006 holte sich Daniels schließlich seinen fünften NWA World Tag Team Titel. Als mittlerweile dreimaliger X Division Champion legte er Ende 2006 eine Pause ein, um im März des folgenden Jahres als Heel und mit modifiziertem Outfit zurückzukehren. Eine Fehde mit Sting verlief nach einem kurzen Match im Sande und Daniels wurde Ende 2007 schließlich in den Storylines entlassen - Er hatte im „Feast or Fired“-Match den Pink Slip erwischt. Das selbe Schicksal erleidete er ein knappes Jahr später nochmals, diesmal als Curry Man. Vorausgegangen war ein eher erfolgloser Run als angeblich japanischer Maskenmann, der unter anderem eine Gruppierung mit Super Eric und Shark Boy mit sich brachte.

Doch damit nicht genug: Da Frankie Kazarian nur zwei Wochen nach dem ohnehin verletzungsbedingt aufgeschobenen Debüt des Videospielcharakters Suicide erneut ausfiel, musste Christopher Daniels einspringen und so wieder in ein farbenfrohes Kostüm steigen. Bei Destination X sicherte sich der Daniels-Suicide im vergangenen Monat sogar den X Division Titel. Nun hat die Maskerade also ein Ende und Christopher Daniels steigt endlich endlich wieder so in den Ring, wie ihn alle Fans am liebsten sehen: Als der „Fallen Angel“. Und eine bessere Verstärkung hätte die Frontline im Kampf gegen die Main Event Mafia wohl kaum finden können.
 

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